Auswirkungen der Schlecker-Insolvenz
Juhu, Schlecker ist insolvent. Endlich weg mit dem Drecksladen.
Das war auch mein erster Gedanke. Die betriebswirtschaftliche wie auch soziale Grundlage des Schlecker-Konzerns hat in unserer Gesellschaft keine Daseinsberechtigung, meint man. Die Metastasierungsähnliche Ausprägung der Ladendichte in kleine Kuhdörfer konnte so wirtschaftlich nicht funktionieren.
Ursache
Lange Zeit haben die Hersteller allerdings freiwillig eine Grundausstattung auf Komission bereitgestellt, d.h. Schlecker musste nur das Risiko eines Mietvertrages und ein paar geringbezahlten Mitarbeiter/innen eingehen und konnte so erst 7000 Filialen eröffnen.
Eigentlich ein Lean Startup.
Doch Schlecker hatte die laufenden Kosten nicht im Griff, das Überangebot im Drogeriesektor hat die Margen verschlechtert und es wurde viel zu spät mit der Schliessung von unrentablen Filialen begonnen.
Nahe Zukunft
Es ist davon auszugehen, dass Schlecker die Insolvenz auch aus dem Grund der preiswerteren Restrukturierbarkeit eingegangen ist. Die Schleckers verfügen nach diversen Quellen weiterhin über ein großes Privatvermögen, dass von der Insolvenz nicht betroffen ist.
Die Kinder des Inhabers, die vor kurzem die Leitung übernommen haben, werden jetzt von ca. 7000 Filialen die unrentablen schliessen. Ich schätze ca 50-65%.
Sie werden womöglich ein Insolvenzverfahren in Eigenregie anstreben und haben die letzten Monate genutzt um dahin zu Planen. Eine Insolvenz ist in Deutschland nicht das Ende eines Unternehmens, sondern der Beginn einer Restrukturierung. Erst wenn auch nach unabhängiger Prüfung keine Möglichkeit gesehen wird, das Unternehmen auch in teilen fortzusetzen, wird es liquidiert.
Nach Abschluss des Insolvenzverfahrens werden die verbleibenden Standorte daher profitable oder gar hochprofitabel sein.
Ferne Zukunft
Auch DM und Rossmann haben massiv investiert um an strategischen Standorten Filialen zu errichten. Hier in München bspw am Stachus, oder mit jeder neuen Lidl-Filiale (DM hat so eine Art Standortpartnerschaft).
Durch die Investitionen dürfte die operative Marge auch stark gelitten haben. Anders als Schlecker bleibt ihnen aber ohne Insolvenzverfahren eine Restrukturierung auf Kosten der Gläubiger und Mitarbeiter verwehrt. Das Image insbesondere von DM dürfte auch implodieren, wenn über einen Personalabbau verhandelt werden müsste…
Je nachdem wie gut Schlecker restrukturiert, könnten die anderen Teilnehmer in ca 5-10 Jahren massiv unter Druck kommen und selbst in eine Insolvenz getrieben werden
Profiteure
Douglas dürfte weiterhin der lachende Dritte/Vierte sein. Im hochpreisigen Kosmetik-Sektor sind Umsätze wie auch Margen deutlich höher als bei Klopapier und Essigreiniger. Der Versuch von Rossmann, DM und Schlecker in den Geschäften eine “Parfürm-Ecke” einzurichten war zumindest in den Filialen, die ich besuche, nicht von Erfolg gekrönt.
Die Drogerie Müller hat dies imho viel besser gelöst. Allerdings weiss man wenig über die Finanzkennzahlen dieser vergleichsweise kleinen Kette aus Ulm.
Soziales Gewissen / Macht der Kunden.
Die Macht der Bevölkerung war sicher nicht der Grund, warum Schlecker kollabiert ist. Zu offensichtlich sind die miesen Läden, hohe Preise und eben die o.g. verrückte Anzahl an unrentablen Standorten gewesen.
Wobei es sicher Leute gibt, die meinen, weil Götz Werner für ein BGE eintritt, sei auch der DM eine karitative Einrichtung. Wobei wir hier bei meinem Lieblingsthema sind:
Die vollumfängliche Aufklärung jedes Bürgers über unser Wirtschaftssystem als ganzes und das Erlernen eines verantwortungsbewussten Umgangs mit den eigenen Finanzen.
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