Subventionsruine Flugplatz
UPDATE 26.01.2012
Das Fernsehmagazin Quer hat heute berichtet, dass das Land in Coburg 25.000.000€ in den Ausbau des dortigen Flugplatzes investieren möchte. Coburg ist ca. eine Stunde vom Nürnberg Flughafen entfernt und verfügt schon über einen Verkehrslandeplatz.
Ein Flugplatz oder gar ein Flughafen lässt das Herz manches Kommunalpolitikers höher schlagen. Grenzenlose Freiheit, direkt vom Rathaus in 8 Minuten zum Einchecken wie in äh Charles-De-Gaulle oder London…
Unbestreitbar sind die Erfolge der größten Deutschen Airports Frankfurt, München und auch Düsseldorf, Hamburg und die Berliner Airports haben ihre Daseinsberechtigung als Grundlage für den internationalen Waren- und Reiseverkehr. Köln und Leipzig sind als Hub/Drehkreuz für Paketdienste unverzichtbar.
In solche Standorte angelegte Subventionen sind zumeist vertretbar, da ausreichend Nutzer und Unternehmen davon profitieren und die Wirtschaft stärken.
Doch dann gibt es noch Provinzflughäfen wie Saarbrücken, Hof, Memmingen, Augsburg …
In vielen Fällen ist auch nach Jahren kein signifikanter Linienflugbetrieb zu etablieren. Die mit Kampfpreisen gelockte Billigflugairline zieht auch die Reissleine mangels einer steten Nachfrage…
Gehen wir mal die Beispiele durch:
Dieser Flughafen in der Nähe von Hof, einer super strukturschwachen Region am Ende des Bundeslandes, im Wahlkreis des Innenministers Friedrich, wurde mit Millionen Euro saniert und auf einen halbwegs modernen Stand gebracht. Trotzdem siedelte sich keine Airline an.
Einzig Cirrus Airline, eine kleine und mittlerweile insolvente Airline, konnte mit jährlichen Subventionen dazu überredet werden, den Airport drei mal am Tag anzufliegen. Ziel war immer Frankfurt am Main.
Aus diversen Gründen, die nicht neutral nachvollziehbar sind, hat Cirrus zum damaligen Zeitpunkt sehr viele Flüge gestrichen. Die Kommunalpolitiker waren empört, denn man zahlte ja fleissig für den Linienbetrieb.
Deshalb wurde der Vertrag neu ausgeschrieben.
Als einzige Airline bewarb sich zum Erstaunen aller, Cirrus. Mangels Alternativen wurde Cirrus erneut beauftragt, für eine stattliche Summe einen Linienverkehr nach Frankfurt am Main durchzuführen. Jedoch nur zwei Mal am Tag.
Trotzdem brach die Auslastung in den letzten Jahren dramatisch ein. Ein Beitrag des Fernsehmagazins Quer, zeigt sehr schön das Problem:
http://www.youtube.com/watch?v=ZRKNgIdwx1c
Auch die SZ hat darüber mehrfach berichtet:
http://www.sueddeutsche.de/bayern/oberfranken-flughafen-hof-plauen-der-einzige-passagier-1.1109417
http://www.sueddeutsche.de/bayern/flughafen-hof-plauen-vor-dem-ende-abgestuerzt-1.1264241
Mit der Insolvenz und Einstellung des Flugbetriebes von Cirrus im Januar 2012 gibt es nun keine einzige Linienverbindung mehr ab Hof, der Flughafen steht vor dem aus. Das Geld ist futsch.
Erstaunlich aber auch verständlich, dass selbst die CSU keine Chance mehr sieht und die Gelder jetzt nach Nürnberg senden möchte:
Mitten im Allgäu wurde in ehemaliger Militarlandeplatz in einen Flughafen der zivilen Luftfahrt umgebaut. Es gab zwar eine breite Unterstützung der regionalen Gewerbetreibenden, trotzdem blieb auch hier der größte Teil der Baukosten beim Land. Auch der seit Betriebsaufnahme anfallende der operative Verlust wird mit Steuergeldern gedeckt. Ein Billigflieger hat sich bereits zurückgezogen, noch finden einzelne Flüge nach ex-Jugoslawien, Spanien und UK statt.
Die Idee mit einem Flughafen Touristen direkt ins Allgäu zu fliegen, kann als gescheitert angesehen werden.
Zwar war Augsburg Airways lange Jahre mit Linienverbindungen vor Ort, da diese aber nur durch Übernahme von Lufthansa Regional-Diensten überlebensfähig ist und Lufthansa kein Interesse an einer freiwilligen Subvention des Augsburger Airports hat, wurden sämtliche Verbindungen 2002 eingestellt. Das Unternehmen hat seinen Sitz mittlerweile in Hallbergmoos, vis-a-vis des Münchner Flughafens.
Der Flughafen ging 2005 durch eine Insolvenz und heute gibt es meines Wissens nur noch Shuttleflüge für Eurocopter nach Frankreich.
Weitere Fälle
Weitere Subventionsruinen sind Airports wie Saarbrücken und Bayreuth.
Verfehlte Politik
Ein Flugplatz für die allgemeine Luftfahrt, also vom Privatpiloten bis zum Business-Jet, hat duchraus an allen Standorten eine Daseinsberechtigung. Eine gewisse Erhaltungs-Subvention ist meiner Meinung auch vertretbar. In den o.g. Fällen wurde aber die “Beherrschung des Luftraums” angestrebt, also Größenwahnsinnige Kunststücke vollbracht um ein Drehkreuz der Luftfahrt zu werden. Das mag wohl am enormen Erfolg des Münchner Flughafens liegen, von dem man sich eine Scheibe abschneiden wollte.
Das Geld ist futsch, die Erhaltungskosten betragen mehrere Millionen Euro im Jahr. Wirtschaftliche Zentren, wie eben München, haben jedoch bis heute keinen Airport für die allgemeine Luftfahrt. Durch die hohe Auslastung durch den Linienbetrieb ist selten Platz für die allgemeine Luftfahrt. Wer es sich leisten kann, zahlt iirc 250€ Landegebühr (anderswo 10-50€) und wartet auf “seinen” Slot zur Tagesrandzeit.
Auch eine neue Startbahn löst hier keine Probleme. Ein kleiner, gut ausgestattert Airport bspw. in Fürstenfeldbruck hätte jedoch schon eine Entlastungswirkung gehabt. Leider wollte dies die bayerische Politik nicht realisieren.
Bleibt nur zu hoffen, dass man die vielen Geister-Airports kostenneutral an Film-Teams oder Go-Cart-Vernastalter vermieten kann…
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