DailyDeal, CityDeal und die Versager-Venture-Capitalists
25.03.2010
Dieses Posting wird sehr deutlich und in ein paar Jahren hoffentlich für die beteiligten Unternehmen auch noch im Google Index zu finden sein. Hätten sie, liebe beteiligten Venture Capitalists, es schon 2010 gelesen, wären sie um einige Millionen reicher geblieben.
Um was geht es?
Groupon.com ist ein US Startup, das durch den Verkauf von regionalen Promo-Gutscheinen eine hohe Popularität gewonnen hat. In den USA sind Gutscheine bzw. Rabattmarken deutlich verbreiteter und akzeptierter als in Deutschland. Typischerweise zahlen die Rabattanbieter Groupon für das Verbreiten der Rabattmarken um möglicherweise Neukunden zu akquirieren oder neue Produkte einzuführen.
Kopierkatzen/Copycats
Es hat etwas gedauert, bis dieses Konzept nach Deutschland kam. Mit CityDeal und DailyDeal gibt es zwei Kopien, die beide mittlerweile über eine enorme Menge Brennkapital verfügen: Man spricht schon von 30.000.0000 Euro Venture Capital bei CityDeal und 9.000.000 EUR bei DailyDeal.
Investoren
Investoren sind die üblichen Verdächtigen aus dem Kreise der Samwers. Dazu kommen wohl auch bald die üblichen deutschen Old-Economy-Buden, die auch nach zehn Jahren und diversen Beispielen (Ciao vs. Dooyoo) zwar noch immer nicht bereit und in der Lage sind, eigene, neue Ideen zu realisieren, dafür aber jeden gut präsentierten Copycat-Mist mit Geld zuschütten. Insbesondere wenn er von den Samwers kommt. Nachdem die Verlage (Holtzbrinck ua) etwas zurückhaltender wurden hat man mit Tengelmann bei Brands4Friends einen wunderbaren “Partner” (lies: Dummen) gefunden, der einem einen schönen Exit erlaubt.
Fehler im System
Doch warum funktioniert das Konzept nicht und wird scheitern? Aus mehreren Gründen:
- Rabattkarten und bezahlte Promo-Gutscheine sind in Deutschland nicht akzeptiert. Das mag sich ändern, ist aber trotzdem ein Hindernis.
- Gutscheine sind üblicherweise 100% bezahlt (Geschenkgutschein/Wertkarte) oder 100% gratis (Teaser) um Neukunden zu finden und Umsätze zu steigern.
- Das Problem liegt nun im Detail: Um eine möglichst große Kundenbasis aufzubauen, müssen reichweitenstarke Anbieter ins Boot. Beispielsweise Fastfood, Coffeehouses, Kinoketten. Diese haben jedoch seit Jahren Ihre eigenen Möglichkeiten wie bspw. Rabatt-Aktionen oder ausdruckbare Coupons auf der Website. Warum auch sollen diese Marktführer Ihres Segmentes einer Gutscheinplattform Geld bezahlen, wenn sie selbst im Besitz eines enormen Brands und eben der Reichweite sind? Die bisher angebotenen Gutscheine von Starbucks und Cinemaxx wurden deshalb meines Wissens komplett oder zu einem großen Teil von den Groupon-Clones selbst finanziert (!).
- Daily-Shopping funktioniert nicht! Generische Daily-Shopping-Portale funktionieren nicht in Deutschland. Anbieter wie guut.de sind aus dem Markt geflogen, trotz enormer finanzieller Unterstützung. Was funktionieren mag, sind special Interest Portale, aber natürlich mit low volume. Eine regionale Abgrenzung wie bei den Groupon-Clones ist aber nicht ausreichend. Was will ich mit einem Brazillian Waxing Gutschein in München? Oder irgend einem Lokal am Ende der Stadt? Reichweite bringen nur große, “generische” Unternehmen: MediaMarkt, Mc Donalds, Burger King, Subway, Starbucks, you name it. Siehe dazu 3. Diese haben aber so gut wie keinen regionalen Bezug(!). Man sieht also schon, wie wiedersprüchlich das Konzept bereits jetzt ist. Bleibt also nur der Long Tail, also unbekannte Geschäfte die quasi für Leads mit Geld und Gutscheinen bezahlen. Das wird aber nicht dauerhaft Reichweite für die Groupon-Clones bringen bzw erhalten.
- Battle of VCs. Durch zwei Marktspieler, die jeweils mindestens 9 mio € VC haben, wird eine enorme Konkurrenzsituation geschaffen, die sehr wahrscheinlich nur mit verbrennen von Geld gelöst wird. Also wer mehr Geld in Werbung verbrennt oder anderweitig Reichweite auf “Teufel komm raus!” schafft. Wie loyal diese generierte Reichweite, zum Beispiel durch selbstfinanzierte Starbucks Gutscheine ist, muss sich erst noch zeigen. Ich glaube sie ist keinen Cent wert. Ob der deutschsprachige Markt wirklich zwei große Anbieter benötigt sei dahingestellt.
Natürlich mag das alles einem erfolgreichen Venture nicht im Wege stehen:
Ciao und Dooyoo haben am Ende immer noch einen dümmeren Eigentümer gefunden.
Die wirklich entscheidende Frage ist: Wieviele Dumme gibt es noch, die sich solche Retorten-Clones für zwei und dreistellige Millionenbeiträge anschaffen und welche werden es sein?
- Regio-Nachrichtenanbieter => Verlage => eher unwahrscheinlich (wenn sie dazugelernt haben)
- Regionale Szenemagazine => “Prinz” => unwahrscheinlich (kein Geld)
- Bewertungsportale => “Qype” => eher unwahrscheinlich (kein Geld)
Wer also sollte nun den Exit bezahlen? Ich sehe niemanden…
PS: Der von mir oft kritisierte Lukasz Gadowski sieht ebenfalls keine guten Chancen für das Konzept: http://www.lukaszgadowski.com/warum-ich-nicht-an-groupon-in-europa-glaube
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