Google Developer Day, München 2008 - Fazit
Am 23.09.2008 veranstaltete Google wieder einen deutschen Developer Day. Nicht wie im Vorjahr in Hamburg sondern diesmal in Räumen der Messe München in Riem.
Um die 550 Entwickler, Manager und leider auch “showmen” haben sich also morgends zwischen 9 und 10 eingefunden: Zur Anmeldung gab es einen 1GB-USB Stick in Legomännchen-Form, Agenda und ein Badge mit personalisiertem wlan Login.
10:00
Zu Beginn eröffnete Markus Mühlbauer von Google Deutschland die Veranstaltung um kurz danach an Chris DiBona, den Leiter Open Source von Google USA abzugeben. Dessen leicht improvisierte Keynote sollte uns Googles Position näher bringen mit Chrome und diversen Utilities eine Art webbasiertes Betriebssystem zu schaffen - natürlich für die webbasierten Google-Applikationen. Eine kurze Chrome Präsentation rundete die Keynote ab.
11:00
Weiter ging es mit dem einzigen deutschsprachigen Talk der Veranstaltung: “Geo” von Jens Trapp. Hierbei handelte es sich um die Präsentation eines US-Kollegen die von Trapp wiedergegeben wurden und war technisch eher im Einsteigerniveau anzusiedeln. Wer schonmal was mit Maps gemacht hat und die Doku kennt war unterfordert. Interessant waren Dinge wie Google Maps Image Cutter oder das Google Earth Browser Plugin - beides leider nur für Windows erhältlich.
12:20
Die Zeit bis zum Mittagessen verbrachten wir in der Session “Google Visualization API”. Leider war der Sprecher nicht so der Präsentationsprofi und sprach italienisches/spanisches Englisch - die Session war deshalb recht zäh. Mehr als bereits auf http://code.google.com/apis/visualization/ stand wurde nicht gezeigt. Insbesondere vorzeigbare 3rd Party Nutzer scheint es bis heute nicht zu geben. Auch Fragen nach einer Offlineintegration z.B. mit Google Gears konnten nicht beantwortet werden. Einige Fragende hatten auch noch Probleme mit AJAX-Grundlagen…seufz.
13:30
Im Foyer gab es Paella, allerdings kein Vergleich zu dem Catering auf anderen Veranstaltungen, insbesondere der RailsConfEurope 2008. Geschmeckt hat es mir jedenfalls nicht. Aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul…
Der Bereich vor den Vortragsräumen war ziemlich “dicht” dekoriert - Um die coolness von Google zu unterstreichen lagen Legosteine zum basteln herum, auch ein “vier gewinnt”, Tischtennisplatte und Kicker standen zum Zeitvertreib zur Verfügung. Technische Unterhaltungen waren eher rar.
14:30
Nach der Mittagspause ging es weiter mit einem advanced OpenSocial Talk. Leider sehr oberflächlich wurde primär auf das unternehmeseigene Orkut, die “Launch-Partner” und die neben MySpace eher drittklassigen Partner-Social-Networks hingewiesen die mangels USP jetzt OpenSocial unterstützen wollen.
Nach einer Einführung hat der Sprecher gezeigt, wie man mit so tollen Anwendungen wie “PowerPoke” sogar Geld verdienen kann… ich war kurz davor “PowerPuke” zu entwickeln…
Dann gab er an Mitarbeiter von SocialNetworks ab, die Ihren Standpunkt/Implementierungsstatus von OpenSocials kundtaten. Primär eine Verkaufsveranstaltung bei denen sich einige sichtlich schwer taten Ihr eigenes Netzwork und die Zielgruppenabgrenzung zu beschreiben.
“Höhepunkt” dabei war die Verkündung, dass lokalisten.de nun auch OpenSocial unterstützt - wenn auch nur die JavaScript Containerfunktionalität und auch nur in einer Testumgebung, mehr unter http://developer.lokalisten.de/
Leicht lächerlich war die “alglatte” XING Präsentation: Einerseits kommunizierte man weiterhin die OpenSocial Unterstützung - die angeblich 2009 umgesetzt werden soll. Andererseits wurden Hürden aufgestellt die extrem abschrecken: Ideen und Anwendungen müssen vom XING Management abgesegnet werden, man muss als Entwickler eine Beschreibung mit Mocks einreichen und dann ggf. eben vor dem Management pitchen.
Für mich ein klares Zeichen, dass man zwar “interessante Ideen” bekommen möchte. Ob und wie - und von wem - die Ideen dann umgesetzt werden, scheint reine Unternehmenswillkür ala Apple’s App Store zu sein.
Am Ende blieb für mich der Eindruck, dass XING kein wirkliches Interesse an OpenSocial hat und so auch den Support hierfür nie launchen wird. Allerdings möchte man hier “nichts verpassen” und hält sich die Türen bei Google durch geschickte Formulierungen offen. Auch wenn ich es schade finde, kann ich die Entscheidung voll nachvollziehen.
Nach zwei weiteren, komplett unbekannten, irrelevanten europäischen SocialNetworks habe ich den Talk enttäuscht vorzeitig verlassen.
15:50
Vortragstechnischer Höhepunkt war der advanced Gears Talk. Sowohl Redner als auch Präsentation waren sehr professionell, der Talk recht tiefgängig und nützlich. Google rechtfertigt einen Großteil von Gears als “Implementation von mit HTML 5.0 kommenden Features” die neben der bekannten Persistentz (auf sqlite basis) auch Geolocation (Location object in Javascript als Schnittstelle zu geräteabhängigen Standortprovidern zB GPS) und Mediawiedergabe bietet.
Es wurden auch Tools wie ein ORM Layer oder ein webbasierte erweiterter DB-viewer für die sqlite Funktionalität vorgestellt. Für mich als Rails-Anhänger etwas zwiespältig, stellt es doch das ganze MVC2 Konzept moderner Webanwendungen in Frage.
Andererseits wurden auch Beispiele gezeigt wo Gears als “Add-on” bei Online-Applikationen genutzt werden kann, beispielsweise um resumeable Uploads oder client side search zu realisieren.
Auf die Publikumsfrage bezüglich einer IPhone Unterstützung - hierfür wäre Gears ja super - hatte der Redner erstmal einen Seufzer übrig: “There is a guy called Steve who says yay or nay…” um dann sarkastisch zu werden: Wir pushen mit Gears die HTML 5.0 features die dann irgendwann auch Mobile Safari out of the box unterstützen muss.
17:00-17:45
Pause
17:45 bis ca 18:30
Abschlussansprache von Markus Mühlbauer mit Danksagung an alle Beteiligten. Chris DiBona stellte daraufhin noch das erste Android-Telefon vor, das T-Mobile in den nächsten Monaten zuerst in den USA anbieten wird. Während das von HTC hergestellte Gerät leider einen sehr billigen und mit dem IPhone nicht zu vergleichenden Eindruck hinterlässt, scheint die Software recht solide zu sein.
DiBona zeigte kurz den von Amazon angepassten mp3 shop zum Musikkauf per Handy, danach ein Gestuers-gesteuertes Google-Streetview und einen YouTube client.
Einige Entwickler fragen nach Apple’s “App-Store-Problematik” genauer nach, wie offen die Plattform wirklich sei. DiBone flüchtete sich etwas in der Ausrede, “Google stelle eine offene Plattform für Hersteller und Provider zur Verfügung, die diese natürlich anpassen können” und das man sich es mit dem “Market” - dem App-Store-Pendant - nicht bei den Providern verscherzen wollte.
Konkret sprach er an, dass VOIP Applikationen möglicherweise nur per WIFI kommunizieren dürften um den Mobile-Providern keine Konkurrenz zu machen.
Da T-Mobile ja alles andere als bekannt für offene Geräte ist und Google sicher vieles tut um Marktanteile zu erlangen, dürfte die “Regulierung” ähnlich wie bei Apple einigen Entwicklern nicht passen. Wie diese sein wird, bleibt abzuwarten.
Aus Entwicklersicht sexy ist das Debugging via USB Kabel und Eclipste. Bleibt abzuwarten auf welche Resonanz das Android IPhone stösst: Businessnutzer sind entweder Windows Mobile abhängig oder sind schon längst auf das Referenzgerät mobiler Coolness geswitched (IPhone).
Ob, wann und wie das Gerät von T-Mobile in Deutschland angeboten wird, konnte nicht gesagt werden. Das sei eine reine Entscheidung des Providers und nicht von Google.
18:30
Zum Abschluss gab es traditionelles bayerisches Flaschenbier (Becks…), Wein und Snacks. Für viele dann doch Zeit nach Hause zu gehen ;-)
Fazit:
Wie schon angesprochen als Gratisveranstaltung nicht schlecht. Erstaunlich die gefühlte Anzahl von Nichtentwicklern oder Entwicklern auf sehr niedrigem Niveau. Das zeigte sich nicht nur an der Anzahl von Windowsgeräten sondern viel eher durch die Rückfragen bei Talks oder das Auftreten einzelner Personen. Einige hatten die Veranstaltung wohl mit einem Sales- oder VC-Event verwechselt und/oder waren einfach viel zu overdressed.
Carlo brachte es per twitter auf den Punkt: “They’ve probably just heard about “the Google” and want to find out what all the buzz is about.”
Für alle die nicht dabei sein konnten/wollten: Abgesehen von der aktuellen Android-Präsentation waren alle Inhalte auch (meist besser besser) schon auf code.google.com. Mehr oder weniger entsprachen die Sessions den “Getting Started” Dokumenten.
Alle Vorträge sind auf Youtube unter http://www.youtube.com/view_play_list?p=F6BD3A4A4B690FF0 anzusehen.
Wer regelmäßig die üblichen Feeds liest und in die Themen reinschnuppert, kann sich solche Veranstaltungen allerdings sparen.
Wer dafür einen Vortrag braucht, mal einen Tag aus dem Büro will oder sich dort mit Bekannten treffen will, ist auf einem Developer Day richtig.
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