Erziehe Deine Kunden, nenne es Qualität — besser gesagt: “My way or the highway!”
Viele Gründer machen den gleichen Fehler und sehen den “späten”, “perfekten” Zustand enorm erfolgreicher Webprojekte. Jedoch kennt keiner die ersten zwei Jahre von Facebook, Google, Amazon, eBay, Twitter und deren natürliche Unzulänglichkeiten.
Dementsprechend illusorisch erscheint der Scope eines möglichen Kompetitivprojekts:
Feature creep, total irrelvante todos, Lebenszeitverschwendung für IE6.
Dabei kann sich JEDES(*) Startup wunderbar und ohne Probleme folgenden Luxus leisten:
- Kein Internet-Explorer Support
- Keine alten Browserversionen zu unterstützen
- Keine obskuren Bildschirmauflösungen
- Leute ohne Cookie oder Javascript-Support ignorieren
- Keine Mobile-App ausser iPhone-Plattform
- Keine Zahlmöglichkeit ausser PayPal
- Kein Telefonsupport
dafür 100% der gesparten Zeit in den Mehrwert Eures Produktes, also den USP stecken.
Ihr glaubt mir nicht?
Solange Euer Startup nicht ein bereits erprobtes Geschäftsmodell immitiert, also Ihr nicht einen mit S beginnenden Nachnamen habt, werdet Ihr euer Business mehrmals komplett neu erfinden müssen: Entwickeln, Analysieren/Prüfen — Pivot, Iterationen etc.
Wenn Ihr also alle o.g. Punkte erfüllen wollt, werdet ihr NIE eine Releaseversion hinbekommen. Oder Unmengen an Zeit und Kohle für nichts verbrennen:
Zu Beginn wird Euer Produkt *immer* von Early-Adoptern genutzt werden — wenn überhaupt. Gefühlte 85% der allgemeinen early adopter haben Mac, der Rest Windows 7: Kein Grund also für IE6, IE7, Opera, uralt-Firefox-Support. Early Adopter benutzen innovative Browser, also Chrome, Firefox oder Safari. Vergesst den Rest. Orientiert Euch an Apple, Gnome etc. nicht an KDE oder Windows. Lieber ein kleines Produkt als ein schlechtes: Super Basics sind 100x besser als unmengen verbuggter oder kompliziert zu bedienenden Features.
Netzaffine User haben auch alle ein PayPal Konto. Vergesst die Kunden die keines haben. Wir leben in 2010.
Wer sich keinen Mac, keine moderne Windows-Maschine, kein aktuelles Linux, kein iPhone etc leisten kann/will, wird auch euer Produkt nicht bezahlen wollen.
Innovative Leute nutzen innovative Dinge.
TL;DR:
- Richtet Euer Produkt nicht an Leuten aus, die es sowieso nicht kaufen wollen.
- die beispielsweise technologiefeindlich oder konservativ sind, sich zum Lebensinhalt gemacht haben Cookies oder JS zu dämonisieren etc.
- die keine Kohle haben oder falschgeizig sind oder zu erfolglos. (Wer keinen Job hat, braucht auch keine Zeiterfassung etc.)
- Wenn Ihr dann Eurer Produkt/Nische “iterativ gefunden” und am Markt verifiziert habt, könnt und müsst ihr darüber nachdenken, die “Legacy”-User zu unterstützen. Bei modernen JS/CSS3/HTML5-SaaS-Anwendungen ist die Antwort ziemlich einfach: Nein.
* = Solange Ihr nicht ein Copycat oder uninnovatives Business baut oder sogar explizit die veramten Windows/IE6 Nutzer mit alten Symbian Smartphones ansprechen wollt (haha).
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