Warum Reiche mehr Steuern bezahlen sollen und wollen.
Die Diskussion ist so alt wie die Menschheit: Warum beteiligen sich die “Gewinner” des Systems nicht an der Sanierung oder dem Erhalt des Systems?
Einfach gedacht könnte man meinen: “Warum soll ich mich um die Verlierer, Arbeiter und Faulenzer kümmern? Sollen die doch erst einmal den Hinter so hochbekommen wie ich / hätten sie halt was geerbt — haha. Ausserdem habe ich absolut mehr bezahlt als die anderen!”.
Einige versuchten in Ihrer Gier Ihre Beteiligung am Sozialstaat zu reduzieren (Lieblingsformulierung) und haben das Land steuertechnisch verlassen.
Haben sich später geärgert, weil Monte Carlo eben nicht Ihrem Heimatland entspricht, auf Mallorca auch nur die gleichen versnobbten Deutschen inmitten eines Reichen-Ghettos leben und auch in der Schweiz zwar das Geld gerne gesehen ist, man aber meilenweit von einer sozialen Integration entfernt ist.
Oder haben sich über sich selbst zu ärgern gehabt, weil Sie insgeheim die meiste Zeit doch in Deutschland waren und der ortsüblichen Steuerpflicht erst vor Gericht wieder zugeführt werden mussten.
Erfolg ist ausserdem kein statisches Element. Glück erst recht nicht.
Kein Mensch ist mit Geld alleine glücklich: Man muss es einsetzen. Der primitiviere Einsatz in Statussymbolen ist jedem von uns bekannt.
Trotzdem gehe ich davon aus, dass die Mehrheit der Reichen die Ihren Besitzt durch eigene Leistung erarbeitet haben, verantwortungsbewusst damit umgehen! Viele unterstützten soziale und kulturelle Projekte oder investierens es in Ihr Familienunternehmen und dessen Angestellte.
Die dummen Erben, Lotteriegewinner und Neureiche kriegen Ihren Hals nicht voll, sind aber sehr häufig auch nach ein paar Jahren abgebrannt.
Aber zurück zum Thema: Warum soll ich mich für das Land hier einsetzen?
Es gibt weltweit Gegenden, in denen der Arm/Reich-Unterschied noch viel deutlicher ist. Nehmen wir Russland oder Brasilien. Dort kann sich kein “Wohlhabender” mehr frei in Städten bewegen ohne Angst auf einen Überfall/Carjacking/Geiselnahme oder Einbruch haben. Die Gewalt steigt an. Entführung und Lösegelderpressung geht als Mundraub durch.
Diese Angst frisst die Reichen auf, sie ziehen sich zurück, mauern sich ein, leben in Ihrer eigenen Phantasiewelt, investieren Unsummen in Personal Safety Services und gepanzerte Autos. Ziehen in Länder wo sie möglicherweise noch sicher sind. Verlieren Ihre Identität und leben als Fremde.
Vielleicht haben die in den Medien erwähnten Besserverdienenden Hopp, Grönemeyer und Westernhagen einfach Angst davor Ihr Heimatland radikalisieren zu sehen: Die logische Konsequenz wenn die Masse verliert und dann Einfluss nimmt.
Noch sind wir weit entfernt, die kleinen Leute sind viel zu verängstigt und mit sich selbst beschäftigt. Nnicht einmal die Gewerkschaften im Stande ihre Positionen an den Mann/Frau zu bringen. 11% Linkspartei sind abzüglich der Ost-Spinner und ein paar Altkommunisten nicht der Rede wert. Die SPD ist am Boden…
Was würde mir Geld nutzen, wenn jeder zweite Normalbürger-Arbeitslose kein Geld für mehr als seine Grundnahrungsmittel hat und meine Musik-CD nicht kaufen kann?
Oder mit ansteckenden Krankheiten rumläuft, weil die Kliniken zu knapp/überfüllt/teuer sind?
Oder nicht einmal mehr laufen kann, weil aus Kostengründen seine GKV eine Amputation bevorzugt?
Da würde ich schon aus Eigeninteresse ein Teil meines (nicht vorhandenen) Reichtums abgeben um meine Zukunft und die meiner Nachkommen, wirtschaftlich(!) wie sozial zu sichern.
Und wenn solche Leute schon betteln, sich daran beteiligen zu dürfen, wirft das ein besonderes Licht auf unsere Regierung.
Die Umfragewerte sind bekannt, ich glaube wir haben im Herbst eine neue Regierung. Vielleicht wieder eine Große Koalition, aber unter Guttenberg…
Comments powered by Disqus