Ohje — CSU/CDU Mandatsträger zum Thema Einwanderung
Es ging die letzten Tage durch die Presse: Europa-Hinterbänkler und medial unwichtige Personen aus Unionsreihen forderten die Einführung eins Intelligenztests für Einwanderer*kinder*(?), “so wie es auch in Kanada üblich ist”.
Das ist natürlich primitiver Populismus auf Kosten der Einwanderer und bedient den äussersten rechten Rand der Union.
Die unionstreue WELT versucht der Sache sogar noch etwas Positives abzugewinnen: Man müsse das Thema Einwanderung auch von einer anderen Seite sehen als nur der Sozialen.
Jedoch:
1. Ging und geht die Zahl der Einwanderer zurück, es besteht also kein Grund einer härteren Auswahl (mehr). Vom Abschieben integrationsunwilliger/fähiger Einwanderer wurde ja nicht gesprochen. Zudem sind minderjährige Kinder nicht für das Erbringen eines Nachweises über “Einwanderungsqualifikation” verantwortlich, sondern ist diese doch eine Sache der Eltern. Ob man nun den “Schwippschwappvetter dritten Grades” mit seiner zwanzigköpfigen Familie nachkommen lassen möchte, ist natürlich eine andere Frage. Auch dies hat mit Intelligenz nichts zutun.
2. Sind kulturuelle und religiöse Hürden — auf beiden Seiten — viel größere Hemmnisse als mangelnde Intelligenz der Zuwanderer. Natürlich sind es oft die “kleinen Leute” die ihr Heimatland aus wirtschaftlichen Gründen verlassen. Das liegt in der Natur der Sache, denn ein Mensch wird selten reich geboren und viele Teile unserer Erde sind nicht geeignet, eine nachhaltige Existenz aufzubauen oder zu erhalten (Klima, Fruchtbarkeit, Wasser, …). Soziale Anpassungsfähigkeit und -Wille ist nicht eine Frage der Intelligenz: Es ist nicht festgestellt, dass eine überdurchschnittliche Intelligenz mit einer gesteigerten Integrationsfähigkeit (oder noch allgemeiner: “Erfolg”) einhergeht. Mensa ist schliesslich auch kein Klub von Nobelpreisträgern.
Also Hauptsache mal die Enwanderer wieder pauschal als Idioten abgestempelt?
3. Unterstellen wir jetzt einmal, dass die Unionsleute eigentlich eher meinten: “Wir müssen High-Potentials die Einwanderung nach Deutschland erleichtern, international dafür kämpfen, dass sie überhaupt zu uns kommen, ihnen akademisch, beruflich und sozial eine nachhaltige Perspektive und Anerkennung bieten die sich auch ausserhalb Ihrer beruflichen Tätigkeit bei uns wiederspiegelt”.
Wie jedoch das “IT-Greencard”-Beispiel zeigte, waren sehr viele der Einwanderer hier sehr unzufrieden, wurden nur als “Arbeiter” geschätzt und sozial überhaupt nicht integriert. Hier kann noch soviel geistige Kapazität vorhanden sein, wenn ich oder meine Familie auf dem Nachhauseweg von der faschistoiden Bevölkerung beschimpft, anderweitig diskriminiert oder gar körperlich angegriffen werden, gehe ich lieber in ein anderes Land!
Deutschland hat nichts, was UK, Kanada oder USA nicht auch haben oder bieten. Überhaupt nichts.
Wir bieten den Highpotentials viel zu wenig. Wir werfen sie nach dem Studienabschluss wieder aus dem Land (machen Kanada und die USA allerdings meines Wissens auch) anstatt Ihnen umkompliziert die Möglichkeit zu geben, hier zu bleiben und für uns zu arbeiten/forschen. Wir brauchen diese Leute! Wir haben sie schliesslich “für uns” ausgebildet.
Bereits in Ihrem Heimatland universitär ausgebildeten Menschen verweigern wir hier oft die Anerkennung Ihres Abschlusses. Und zwar nicht in Teilen, die man an einer deutschen Hochschule nachholen könnte, sondern im Ganzen! Was für ein Wahnsinn, wenn Hochschulabsolventen dann hier Tellerwäscherjobs annehmen müssen.
Ausländische Mitbürger oder Einwanderer gelten auch per-se in der öffentlichen Warnehmung als unterschichtige Sozialschmarotzer, hätten sie “doch zuhause Erfolg haben können wenn sie es nur gewollt hätten” oder ähnliche dümmliche Äusserungen hört man oft. Lustigerweise berhauptet man das auch von deutschen Auswanderern, die nicht aus steuerlichen Gründen das Land verlassen haben.
4. Gibt es in Kanada KEINEN IQ-Test oder “Intelligenznachweis” als Einwanderungskriterum! Diese Behauptung ist schicht falsch oder eine Lüge. Es müssen, neben den formellen Bedingungen (Erreichen von Punkten in einem Punktesystem aus u.a. Vorbildung, Erfahrung und vorherigen Landesaufenthalten) sowohl ein Sprach- als auch “Kulturwissenstest” durchgeführt werden sowie eine medizinsche Prüfung erfolgen, nachzulesen unter http://www.cic.gc.ca/english/index.asp
5. Hat Kanada eben ein sehr diversifiziertes, transparentes Punktesystem um Einwanderer zu bewerten. Dies dient natürlich primär dazu, sich benötige qualifizierte Arbeitskräfte für bestimte Sektoren ins Land zu holen (Krankenschwestern bspw) bei denen die Integration in die Gesellschaft Erfolg verspricht. Dazu gehört auch die Chance eine berufliche Tätigkeit auszuüben und sich und seine Familie finanziell zu versorgen. Andereseits sind die Hürden nicht so unerreichbar hoch und dürften für wirklich Einwanderungswillige eine realistische Perspektive bieten. KO Kriterien sind selten, eine Möglichkeit zur Kompensation besteht meist. So kann man beispielsweise seine Sprach- und Kulturkenntnisse verbessern und sich auf das Land vorbereiten. Das alles hat mit IQ-Tests überhaupt nichts zutun.
6. Auch als totaler Laie weiss ich: Intelligenztests sind eine sehr vage Bestimmung relativ zu einer Referenzgruppe; sie sind entgegen jeder Aussage keine absolute Angelegenheit sondern zeigen nur die Abweichung vom (lokalen) Durchschnitt (IQ 100).
Auch sind sie nicht sprach-, wissens- und kulturneutral. Es besteht auch eine gewisse Möglichkeit Tests oder Testfragestellungen zu trainieren, dies ist aber umstritten.
Sprachübergreifende Tests liefern möglichlerweise falsche Ergebnisse beispielsweise bei einer Sehbeeinträchtigung oder unterdurchschnittlicher Begabung im räumlichen Denken. Die Intelligenz, so sie sich wissenschaftlich überhaupt eindeutig bestimmt lässt, besteht aus vielen Intelligenzen. Das Thema ist ENORM komplex, wer mag soll dieses Buch lesen.
7. Scheint es in Deutschland bei Leistungsermittlung immer nur darum zu gehen, Verlierer zu finden und Eliten zu züchten. Ob gerechtfertigt oder nicht. Alles oder nichts. “Hauptschuhle” oder Gymnasium. Die schnellstmögliche, radikalste Entscheidung wird einer individuellen, elastischen vorgezogen. Irgendein Maßstab, irgendein Grenzwert — Fertig ist das Selektionskriterium, welches man an einer Gruppe ohne Lobby “ausprobieren” kann.
Hier wurde und wird ein enormes Potential verschenkt und Menschen systematisch die Zukunft verbaut. Gleichzeitig “züchten” wir uns eine zombiesque Unterschicht die wir finanziell ein Leben lang unterstützen werden müssen, perspektivlos.
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